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Freiburg Halbmarathon 2014

Freiburg Halbmarathon 2014

Mein Laufbericht vom Freiburg Halbmarathon 2014

Die Geschichte der schwäbischen Maultasche ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Eine wenig bekannte Tatsache ist zum Beispiel, dass Maultaschen auch mit Tomatensoße recht gut munden. Das haben die Italiener schon lange rausgefunden und nannten ihre Maultaschen Ravioli. Bis zu den Organisatoren des Freiburg Marathons hat es sich in diesem Jahr ebenfalls rumgesprochen, denn dort gab es in diesem Jahr Maultaschen statt der typischen Langnudeln zur Pastaparty. Eine gute Idee, wie ich finde.

Zusammen mit Jürgen, meinem diesjährigen Mitstreiter beim Halbmarathon, besuchte ich schon am Vortag die Marathonmesse in Freiburg, um in Ruhe und ohne Zeitdruck und großes Gedränge über die Ausstellung zu schlendern, unsere Startunterlagen abzuholen und natürlich auch wegen der Maultaschenparty. Entsprechend vorbereitet ist dann am eigentlichen Veranstaltungstag die Anreise ganz easy und entspannt möglich.

Pünktlich um 9:00 Uhr am Sonntag ging es los in Richtung Breisgau. Jürgens Frau hatte sich bereit erklärt, uns zu fahren. Nach kurzer Fahrt konnten wir direkt am Messeglände einen freien Parkplatz für uns beanspruchen und hatten noch mehr als ausreichend Zeit, uns auf den Lauf vorzubereiten. Das Aufwärmen erfolgte im Stand, die warme Vormittagssonne brachte sich dabei perfekt mit ein. Warmlaufen wollten wir uns auf den ersten Kilometern. Es sollte ein gemütlicher Sonntagslauf werden, so hatte ich das im Vorfeld für mich beschlossen. Ausgehend vom einzigen wirklich längeren Lauf in der Vorbereitung rechnete ich mir eine Zielzeit von ca. 2:20 aus. Mit Rückenwind und Heimweh wäre vielleicht eine 2:15 drin; in keinem Fall würde ich meine Zeit vom Vorjahr unterbieten können. Aber das war diesmal auch nicht mein Ziel. Zwar war ich, bedingt durch das Täglichlaufen, in diesem Jahr wesentlich mehr Kilometer gelaufen; diese hatte ich aber ausschließlich in kürzeren Einheiten abgespult.
Jürgen wollte sich an mir orientieren, auch wenn ich der Meinung war, er könnte durchaus schneller laufen.

Kurz vor elf machten wir uns auf den Weg zur Startaufstellung. Hier begegnete uns Sascha, ein Bekannter aus meinem Sportverein, mit dem ich vor Jahren mal den Geroldsecker Nikolauslauf gelaufen bin. Im Gegensatz zu uns lief er sich warm.

Ganz hinten im zweiten Block sortierten wir uns in das bunt gemischte Feld der Läuferinnen und Läufer ein. Eine Frage schoss mir durch den Kopf; die bange Frage, die sich wohl jeder mäßig vorbereitete Läufer stellt, wenn er nervös dem Start entgegenfiebert: "Hab ich zuhause den Herd ausgemacht?" Egal, jetzt wird gelaufen...

Start

Das mit dem locker loslaufen und aufwärmen auf den ersten Kilometern hat gut funktioniert. In der Theorie. Die veranschlagte Warmlaufpace von ungefähr 6:30 haben wir nicht ganz halten können; wir waren deutlich schneller. Vielleicht war es das Sonnenlicht, was mich antrieb. Es ging recht locker vorwärts, wenig Gedränge, gute Stimmung. Die zahlreichen Zuschauer und die Bands am Straßenrand sind immer wieder aufs Neue ein Erlebnis. Und wie immer sorgte die Bahnunterführung bei Kilometer 3,5 für ein kurzes Stocken. "Same procedure as last year?" "Same procedure as every year, James!"

Der erste Trinkstopp bei Kilometer 5 barg eine - im warsten Sinne des Wortes - handfeste Überraschung. Pappbecher! Im Gegensatz zu den sonst üblichen Plastikdingern, kann man die nämlich am oberen Rand zusammendrücken und hat so eine perfekte Öffnung, aus der man trinken kann OHNE sich die ganze Brühe ins Gesicht zu kippen. Fast wie eine Schnabeltasse - nur ohne Griff. Gewusst wie!

Knapp 10 Minuten später ging es zum ersten mal in einer kleinen Schleife durch die City. Dieser Abschnitt hat 1A-Motodrom-Charakter. Stimmung pur. Wieder raus aus der City, vorbei an einer "Bundeswehr-Sportkapelle" ging es weiter Richtung Stadion. Zweite Trinkpause bei Kilometer 10, danach kurze Pinkelpause. Irgendwo zwischen Kilometer zehn und elf trug meine nicht ganz ernst gemeinte Planänderung zur allgemeinen Erheiterung bei: "Halbzeit. Jetzt geben wir Gas und in 45 Minuten sind wir im Ziel. Nach dem Stadion geht's ja eh nur noch bergab." "Toller Plan", meinte ein Läufer neben mir grinsend, "meinst Du, dass das klappt?" "Ich mach immer so tolle Pläne, und ob's geklappt hat, sag ich Dir im Ziel."

Danach ging es an der Dreisam entlang wieder Richtung Innenstadt. Hier erschien uns Jesus - diesmal allerdings ohne Kreuz. Die Läuferin neben uns erzählte uns von einem Lauf in den Dolomiten, den sie mal mitgemacht hat. Dort waren einige Läufer mit Heutragen auf dem Rücken unterwegs. Verrücktes Völkchen!

Ab Kilometer 18 drückten wir noch ein klein wenig auf die Tube. Das Ziel war nah, es konnte nicht mehr viel passsieren. Am Streckenrand sah man aber bereits einige Läufer, die sich in der Hitze wohl zu viel zugemutet hatten. Manche saßen im Schatten, total fertig mit der Welt. Andere lagen, die Beine hochgelegt; teilweise mussten sie medizinisch versorgt werden. Aber ich fühlte mich fit, Jürgen ebenso. Das letzte Stück Richtung Ziel legten wir sogar noch einen ordentlichen Schlussspurt hin. Für Jürgen blieb die Zeit bei 2:02:03 stehen, für mich bei 2:02:04. Keine Ahnung, wo die eine Sekunde geblieben ist.

Nachdem wir uns im Zielbereich mit Getränken und einer kleinen Stärkung versorgt hatten, machten wir uns auf den Weg unsere Fahrerin wieder zu finden. Sie hatte unweit des Ziels an der Strecke gestanden und zugeschaut, und schwärmte nun vom tollen Laufstil einiger Läufer, die leichtfüßig ins Ziel schwebten. Uns hätte sie leider nicht gesehen in dem ganzen Trubel. Hat sie behauptet. Aber wahrscheinlich war das nur einen Notlüge, um sich vor der Antwort auf die etwaige Frage "Und wie fandest Du unseren Laufstil?" zu drücken.

Mal sehen, ob sie im nächsten Jahr mitläuft.

Kommentare

Bild des Benutzers Jürgen Schley

Vielen Dank für den Bericht und vor allem das gemeinsame Erlebnis. Tut mir Leid, dass meine Zeit eine Sekunde weniger gestoppt wurde. Wollte eigentlich auf keinen Fall vor meinem Pacemaker ins Ziel einlaufen (und so war es auch!). Die Differenz muss wohl durch die Startverzögerung zustande gekommen sein. Dafür hast du die schöneren (Einzel-) Bilder ;-)