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Mut zur Blutgrätsche

Adidas 11 Nova

Mein erstes Fußballturnier

"Mach doch mit. Wir brauchen dringend noch ein paar Spieler."
"Ich hab das letzte mal beim Bund gespielt, das ist über zwanzig Jahre her."
"Egal, es geht doch nur um den Spaß."
"Na gut..."

So oder so ähnlich verlief ein Gespräch, das aus mir den neuen Stern am Fußballhimmel (AH) machen sollte. Kollege Hans suchte händeringend nach Mitspielern, um für unsere Firma beim konzernweiten Fußballturnier eine eigene Mannschaft zusammen zu bekommen.

Zwar waren der Fußball und ich noch nie gute Freunde, aber zu irgendwas muss das tägliche Laufen ja zu gebrauchen sein. Wenn schon nicht mit Talent, würde ich meinen Gegnern mit meiner Ausdauer entgegentreten, sie in Grund und Boden stürmen - zumindest in meiner Vorstellung.

Aber die Vorsehung hatte andere Pläne mit mir.

Bereits beim ersten und einzigen gemeinsamen Training unseres Teams am Donnerstag abend, bekam ich eine grobe Vorstellung von dem, was mich beim Turnier am Samstag erwarten würde. Das Warmlaufen klappte noch problemlos. Zwei lockere Kilometer auf dem Kinzigdamm stellten an dem Tag mein Streak-Tagespensum dar.
Die ersten Übungen mit dem runden Leder waren allerdings ernüchternd. Vielleicht lag es ja am noch ungewohnten Schuhwerk, das ich mir extra für diesen Anlass zugelegt habe, aber der Ball wollte irgendwie nicht in die Richtung, in der ich ihn gerne gesehen hätte. Beim zwanglosen Kicken mit den Kindern vorm Haus klappte das noch viel besser. Macht sich hier etwa bereits der Leistungsdruck bemerkbar? Werde ich diesem Druck standhalten können oder werde ich unter der Last zusammenbrechen? Oder hab ich einfach nur krumme Füße?

Die absolute Krönung an dem Abend aber war ein Spiel gegen eine AH-Mannschaft, die sich als Trainingspartner anboten, was unser Trainer als willkommene Gelegenheit ansah, uns etwas Spielpraxis angedeihen zu lassen. Fazit: Die alten Herren spielten uns in Grund und Boden! Schon nach zehn Minuten Spielzeit - und das auch noch im erfrischenden Nieselregen - war ich total fertig - schlimmer als nach einem Halbmarathon. Das ständige hin und her, stoppen und wieder antreten ging bei mir mächtig ans Eingemachte. Lieber 2 Stunden im eigenen Tempo laufen als sowas hier.
Einziger Lichtblick: Das Laufen auf dem Kunstrasenplatz ist Genuss pur und geht bei weitem nicht so auf die Gelenke, wie das ständige Kilometersammeln auf Asphalt.

Der Freitag brachte Regen und Muskelkater.

Samstag - der Tag der großen Zusammenkunft war gekommen.

Mit ganz viel Aua in den Beinen machten die Kinder, die an dem Tag Papas ganz persönlicher Fanclub sein durften, und ich mich auf den Weg zum Sportgelände in Ortenberg, wo meine Karriere als Fußballer ihren Anfang nehmen sollte. Nach sechs für mich anstrengenden Spielen, einem Torschuss, der allerdings unterwegs verhungerte und einem beachtlichen 6. Platz (von 8 Teams), kam ich am Ende des Turniers allerdings zu der Erkenntnis, dass ich auf die zukünftige Geschichte der Fußballwelt doch keinen Einfluss nehmen werde. Lieber bleibe ich dem Laufen ohne Ball treu, das ist weniger anstrengend.
Trotzdem werde ich beim nächsten Turnier, wenn es irgendwie machbar ist, wieder dabei sein. Nur so zum Spaß. Aber mit mehr Training.

Mein 8 Kilometer Streaklauf am späten Samstagabend war das schmerzhafteste, was ich seit langem erlebt habe. Ich spürte Muskeln an Stellen, von denen ich bis dato nicht wusste, dass es sie gibt.

Und auch den gemeinsamen Lauf mit den Leuten von Lauf-KulTour 2014, den ich mir für Sonntag früh vorgenommen hatte, musste ich ausfallen lassen. Zwar riss mich der Wecker rechtzeitig aus meinen Fußballträumen, aber die Beine und der Rücken meinten, liegenzubleiben wäre im Moment die weitaus bessere Entscheidung. Vielleicht kommen die 2015 ja wieder hier vorbei und vielleicht nicht gerade am Tag nach einem Fußballturnier.

Denn wie sagte schon Emil Zatopek: Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft. Von einem Ball war nie die Rede!

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